Depressionen, Angstzustände und Suizidgedanken  Ein Artikel von Jenny Groß

Aufgrund ihrer Andersartigkeit erleben Autisten meist schon in sehr jungen Jahren was es heißt nicht dazuzugehören, gemobbt und ausgegrenzt zu werden. Die Suizidrate weiblicher Asperger Autisten ist mit 10% im Laufe des Lebens am höchsten und übersteigt die der männlicher Asperger Autisten um ein Vielfaches. 

Grund für die hohe Suizidrate bei weiblichen Asperger Autisten ist das sogenannte „Maskieren“. Weibliche Asperger Autisten verstehen es besser ihre autistischen Symptome zu verbergen, zu kaschieren und sich angepasst zu zeigen – allerdings auf Kosten derer Gesundheit. Es kostet unheimlich Kraft dem gesellschaftlich erwarteten Bild von einer Frau, als Autistin gerecht zu werden und zu funktionieren. In der Regel führt das Zusammenreißen zu Depressionen, Angststörungen bis hin zur Suizidalität oder im schlimmsten Fall zum vollendeten Suizid. 

In der Gesellschaft muss dringend ein Umdenken geschehen, vor allem auch angepasste, weibliche Autisten müssen ernst genommen werden mit ihren Problemen und Männer natürlich genauso. Aber auch viele männlichen Asperger Autisten leiden an schwersten Depressionen und suizidieren sich. 

Inklusion wird in dieser Gesellschaft wie eine Floskel abgespult und zu entsprechenden Anlässen schwingen Menschen große Reden wie viel für Inklusion getan wird. Leider bemerken Autisten nichts davon – doch gerade Autisten hätten es bitter notwendig in ihrer Not ernst genommen zu werden. 

In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2019 wurde das Auftreten von Depressionen, Angstzuständen und Suizidalität bei Erwachsenen mit einer Autismus-Spektrum-Störung untersucht. 

Ein Großteil der Autisten berichtete über einen lebenslangen Leidensweg mit Angstzuständen (63%), Depressionen (55%), Suizidversuchen (19%) und Suizidgedanken in jüngster Zeit (12%). Als Hauptauslöser gilt die durchkreuzte Zugehörigkeit zur Gesellschaft, die daraus resultierende Belastung mit sozialer Unzufriedenheit. All diese Faktoren wurden auch mit den aktuellen Suizidgedanken in Verbindung gebracht. 

Mir ist eine weitere Studie bekannt, welche nach mehrfacher Durchführung immer wieder zum gleichen Ergebnis kam. Es ging darum, dass neurotypische Menschen weniger dazu bereit seien mit Autisten zu interagieren und sich Autisten nicht selbst durch ihr Verhalten ausgrenzen würden, wie fälschlicherweise häufig behauptet wird. Neurotypische Menschen möchten im Durchschnitt weniger mit Autisten zu tun haben, da diese ihnen fremdartig erscheinen. Da sie mimisch weniger kommunizieren, da sie keinen Smalltalk halten können, da sie andere Gewohnheiten haben etc.  Hier zur erwähnten Studie.

Ziel des Beitrags sollte es sein diese Hintergründe in das Bewusstsein möglichst vieler Menschen zu bringen und weiter zu verbreiten und so für mehr Verständnis, Akzeptanz und Toleranz zu sorgen. Dieser Beitrag soll die Fronten keinesfalls verschärfen, er soll die Augen öffnen. 

Inklusion muss gelebt werden und dazu gehört an erster Stelle das Erkennen der vorhandenen Probleme und an nächster Stelle erwarte ich von jedem Menschen mehr Offenheit für Andersartigkeit zu zeigen und Inklusion zu fördern. 

Toleranz ist hier gefragt! 

 

 

Jenny Groß

1982 in Heidelberg geboren, fachgebundene Hochschulreife, im Anschluss das Latinum und Graecum (Altgriechisch) in einem Jahr absolviert, Ausbildung zur Krankenschwester in der Psychiatrie, viele Jahre Berufserfahrung im Fachbereich Psychiatrie (Akutpsychiatrie, forensische Psychiatrie, Polytox Station). Autismus Aufklärungsarbeit hat einen großen Stellenwert bei ihr, Spezialinteressen: Autismus und Psychiatrie.
0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

Mit Benutzerdaten anmelden

oder    

Hast du dein Passwort vergessen?

Create Account